Freunde von Freunden

Jeongmoon Choi
Artist, Studio, Prenzlauer Berg, Berlin
Workplaces > Jeongmoon Choi

„Der virtuelle Raum existiert für mich nicht, meine Kunst ist analog“ – eine ziemlich eindeutige Aussage, für jemandem, dessen Kunst immer wieder als Übersetzung einer virtuellen Ästhetik in den analogen Raum beschrieben wird. Dagegen wehrt sich Jeongmoon Choi vehement und betont den eigentlichen Kern ihrer Arbeit: Raum.

Die in Seoul aufgewachsene Künstlerin hat bereits als Kind gelernt spielerisch mit begrenztem Raum umzugehen und dass die Gestaltung desselbigen auch immer bedeutet soziale Verhältnisse mitzuformen. Jeongmoon damaliger Traum, in ihren Zeichnungen rumzuspazieren, ist heute längst Realität geworden. Ihre Rauminstallationen aus Fäden bilden eine eigene Welt, die den Betrachter ein völlig neues Raumerlebnis ermöglichen und zur Meditation einladen. Die Besonderheit von Jeongmoons Arbeiten liegt dabei in dem Verhältnis von Materialität und Effekt, wie auch ihre aktuelle Arbeit „Drawing in Space“ beweist.

Inspiriert wird Jeongmoon vor allem durch den ständigen Transformationsprozess ihres urbanen Umfeldes. Dass dieser nicht immer nur Gutes bedeutet, spürt man auch in Berlin, wo sie seit über zehn Jahren lebt. So wird Jeongmoons Atelier im Prenzlauer Berg, eine Mischung aus Laboratorium und Werkstatt, bald der Sanierungswelle zum Opfer fallen.

Wir trafen Jeongmoon während den Vorbereitungen zu ihrer kommenden Ausstellung, die Teil der Olympus OM-D: Photography Playground in Berlin ist, und begleiteten sie auf ihrem Weg zwischen Atelier und Opernwerkstätten, zwischen Realität und Traumwelt.

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Du hast in Seoul Bildende Kunst studiert, wie kam es, dass du dich für ein zweites Studium im gleichen Bereich an der Kunsthochschule Kassel entschieden hast?

Ich habe zwar in Seoul und in Kassel Bildende Kunst studiert, aber die Studiengänge sind absolut verschieden. In Seoul habe ich vor allem Malerei studiert, also ganz klassische Ölmalerei. Ich war mit meiner Malerei aber sehr unzufrieden, obwohl ich nach meinem Studium auch ausgestellt habe. Ich wollte etwas neues erleben und machen. Deswegen musste ich ins Ausland gehen. Dann habe ich mich gefragt wohin und bin ziemlich schnell auf Deutschland gekommen, weil die deutschen Maler zu der Zeit in Korea sehr bekannt und angesehen waren. In Kassel habe ich dann natürlich ganz andere Sachen gemacht.

Wann hast du in Kassel begonnen zu studieren?

Das war, lass mich kurz überlegen, 1996.

Die Hochschule in Kassel war ja gerade zu der Zeit bekannt für ihren konzeptionellen Ansatz…

Genau, wir hatten dort alle Möglichkeiten und konnten uns einfach ausprobieren. Für mich war es unheimlich wichtig, mit verschiedenen Medien und Materialien zu arbeiten. Erst dadurch habe ich das gefunden, was mich wirklich interessiert und was ich gut kann.

Also war das für dich noch mal ein komplett neues Studium?

In gewisser Hinsicht schon. Aber ich glaube nicht, dass ich mein grundlegendes Arbeitskonzept verändert habe, das hat sich eher langsam weiterentwickelt.

Wann bist du nach Berlin gekommen?

Direkt nach dem Studium 2001. Da ich relativ schnell gemerkt habe, dass Kassel abgesehen von der Hochschule nicht sehr viel zu bieten hat als Stadt. Als ich noch in Seoul war dachte ich, dass Kassel als Documenta Stadt viel mehr zu bieten hat, aber da wurde ich eines besseren belehrt (lacht). Mein Ziel war dann, so schnell wie möglich nach Berlin zu ziehen. Ich bin in Seoul geboren und aufgewachsen und musste einfach wieder in eine große Stadt. Meine Arbeit lebt auch von dem, was die Stadt zu bieten hat, von der Architektur und den Wandlungsprozessen. Da bietet mir Berlin natürlich unheimlich viel.

Wohin führst du Freunde, die das erste Mal in Berlin sind?

Ich finde es toll mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fast alle Sehenwürdigkeiten zu erreichen. Deswegen habe ich mit meinen Freunden aus Korea schön öfters Touren mit dem Bus Nr. 100 oder 200 gemacht.

Gibt es Orte in der Stadt, an die du immer wieder zurückkehrst?

Schwierig zu sagen, vielleicht ist der Mauerpark so ein Ort. Ich wohne direkt dort und das Gefühl im Park zu sitzen, auf dieser Freifläche und um mich herum die Häuser zu betrachten, ist interessant. Die Häuser verändern sich ja ständig durch die Sanierungen. Ich mag die Freiflächen in der Stadt.

Wenn du einen Tag die Woche nicht mit Arbeit verbringen dürftest, was würdest an diesem Tag alles tun?

Ganz in Ruhe mit meiner Familie und meinen Freunden in Korea telefonieren und etwas tolles Kochen.

Was sind deine Top 3 koreanischen Restaurants in Berlin?

Kimchi Princess, Kochu Karu und Ky – also das sind definitiv die, wo ich mich am wohlsten fühle und häufiger hingehe.

Was machst du, wenn du neue Inspiration tanken willst?

Ich gehe spazieren und höre Musik. Derzeit schaue ich mir besonders gerne Architektur an und mache viele Fotos.

Hattest du jemals einen Plan B oder stand für dich fest, dass du nur Kunst machen willst?

Das war irgendwie klar, ja. Schwierig zu sagen warum, aber meine Mutter und meine Lehrer haben mir das als Kind schon immer gesagt und dann habe ich das immer weiter verfolgt und es hat mir einfach Spaß gemacht, so dass sich die Frage irgendwann gar nicht mehr gestellt hat.

Was ist dieser rote Faden in deiner Arbeit?

Mein roter Faden ist zum einen die Arbeit mit natürlichem Material und zum anderen die Auseinandersetzung mit Raum und Architektur. Auch meine Malerei hat diese beiden Aspekte schon beinhaltet. Sie war immer großformatig und hat Raum eingenommen.

War das eine große Umstellung für dich von der eher strengen und klassischen Ausbildung in Seoul, zu dem freigeistigen, „anything goes“ Ansatz in Kassel?

Nicht unbedingt, ich war damit sehr zufrieden. Ich war nur erstaunt, wie wenig handwerkliches Wissen die anderen Studenten hatten. Aber auf der anderen Seite habe ich gesehen, wie viel freie Kreativität in ihnen steckt. Das hat mich beeindruckt, weil mir genau das gefehlt hat.

Nutzt du digitale Medien für deine Arbeiten?

Ja und nein. Bei den meisten Arbeiten komme ich fast ohne digitale Medien aus, benutze aber manchmal Computerprogramme zur Konzeption und digitale Kameras zur Unterstützung und Dokumentation.

Dennoch erinnern viele deiner Arbeiten an den virtuellen Raum, so als seien sie Übersetzungen des Virtuellen ins Analoge?

Das kann man so sehen, stimmt aber eigentlich nur für meine Schwarzlichtarbeiten, die durch ihre Beschaffenheit sehr stark an mit dem Computer erschaffene Modelle erinnert. Doch sind diese Arbeiten nicht von virtuellen Konzepten abgeleitet, sie sind vielmehr unabhängige, einzigartige Raumzeichnungen, die zum großen Teil frei durch meine Inspiration entstehen.

Wie wichtig ist dir dieser meditative Aspekt?

Ich muss selbst gar nicht bewusst meditieren, weil das Fädenspannen im Raum so eine reduzierte und ruhige Arbeit ist, die sich ständig wiederholt, ich verfalle da sofort in eine Art Meditation. Ich höre auch oft von Kuratoren oder Betrachtern, die meine Arbeit erfahren, wie meditativ diese wirkt. Die Reaktion ist zunächst immer die gleiche, die Leute verstehen nicht, warum die Linien leuchten und denken es sind Laser oder so. Dann fassen Sie die Fäden an und merken, „Oh das ist ja Materialität.“ Dann fangen die Leute an vorsichtig in den Raum zu laufen und vergessen sich in diesem Raum, indem sie sich voll und ganz auf die Linien konzentrieren. Das ist eine sehr schöne Reaktion für mich. Ich liebe es auch mit dem Publikum zu reden, ich glaube jeder Künstler lebt irgendwie von der Reaktion.

Hast du einen idealen Raum, den du gerne bespielen würdest?

Ich finde eigentlich alles interessant, vom White Cube, wo ich keinerlei Beschränkungen habe, bis hin zu vorgeprägten Räumen, wie zum Beispiel aktuell bei der Installation in der Opernwerkstatt. Der Raum hat einen unheimlich starken Charakter, mit dem ich dann in meiner Arbeit spielen kann.

Wie bist du bei der Konzeption deiner aktuellen Skulptur in der Opernwerkstatt vorgegangen?

Ich habe mich erstmal vom Raum inspirieren lassen bzw. zunächst einmal musste ich einen Raum für die Installation auswählen. Dabei habe ich mich für einen Raum entschieden, der viel Bewegung und viele Perspektiven zulässt. Der Raum hat mir etwas gesagt, es war so als ob er die Veränderung braucht. Es handelt sich dabei ja um ein wirklich sehr altes Gebäude, was zwischenzeitlich gar nicht in Benutzung war. Dann spielt natürlich das Publikum eine enorm wichtige Rolle. Meine Arbeiten sollen interaktiv sein, man soll die Möglichkeit haben verschiedenen Perspektiven einzunehmen und in dem Raum zu leben. Ich baue zwar die Arbeit auf, aber ich kann die ganze Arbeit nicht erfassen. Das Publikum findet immer wieder neue Perspektiven und gestaltet sie so mit.

Die aktuelle Installation von Jeongmoon Choi ist noch bis zum 24. Mai im Rahmen des Olypmus OM-D Photography Playground in den Opernwerkstätten zu sehen. Eintritt ist frei.

Text: Antonia Märzhäuser
Fotos: Debora Mittelstaedt
Video: Christian Fussenegger
Sound: Kero Lorenso