Till Firit
Founder of MONO VERLAG & Actor, Studio & Volkstheater, Margareten & Innere Stadt,, Vienna
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Eigentlich, sagt Till Firit, sei das österreichische Radio ja mit ein Grund dafür, dass es den MONO VERLAG überhaupt gibt. Als der gebürtige Deutsche nach seiner Ausbildung und ersten Schauspieljahren für ein Engagement am Volkstheater in Wien ankam, suchte er vergeblich nach Sprecherjobs für den ORF. Also beschloss Firit, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und ein langjähriges Herzensprojekt, “Der Spieler” von Dostojewski, selbst einzusprechen und zu produzieren. Aus seiner Motivation und mit Unterstützung von departure entstand der Hörbuchverlag.

Ein paar Jahre und personelle Umstrukturierungen später sitzt der MONO VERLAG – in Österreich übrigens der erste Verlag, der ausschließlich Hörbücher veröffentlicht – in einem wunderschönen Hinterhofhaus im fünften Wiener Gemeindebezirk. Im Büro der ehemaligen Tischlerinnung, wie die Wandvertäfelung im Empfangssalon mit spröd-charmantem Kanzleiflair verrät, entstehen 30 Hörbücher pro Jahr. Aufnahmen, Bearbeitung und Schnitt erfolgen ebenso hier wie die Vorbereitung des Materials für Grafik und Presswerk.

Die Auswahl der Hörbuchtitel trifft Till Firit gemeinsam mit Roland Tomrle und Kai Jelinek, die im MONO VERLAG für Administration und Vertrieb bzw. Aufnahmeleitung, Schnitt und Mastering verantwortlich sind. Der Fokus liegt auf österreichischen Themen, von Klassikern wie Ödön von Horváths “Jugend ohne Gott” und Friedrich Torbergs „Mein ist die Rache“ über Schauspielerbiografien und Titeln zur österreichischen (Zeit-)Geschichte bis hin zu aktuellen Regionalkrimis.

Wann entstand die Idee für den MONO VERLAG?

Ursprünglich hatte ich den Verlag 2008 gemeinsam mit meinem Bruder gegründet, der damals in der Nachbarwohnung wohnte. Ich lieh mir von einem Freund, der Saxofon spielte, ein schallgedämpftes “Kammerl” aus, das er sich gebaut hatte, um die Nachbarn nicht zu stören, und stellte es zu mir in die Wohnung. Die Kabel liefen in die Wohnung meines Bruders rüber, kommuniziert wurde per Haustelefon, er machte Regie, ich habe gesprochen.

Für ihn als Fernsehredakteur war dann aber relativ schnell klar, dass ihm das Medium Audio allein nicht reicht. Er stieg aus, und ich führte den Verlag mit einem Freund von mir – Kai Jelinek, den ich noch aus Deutschland kannte – weiter.

Anfangs haben wir noch mehr Auftragsarbeiten für andere Hörbuchverlage produziert und weniger eigene Titel. Als dann der Punkt kam, an dem wir uns überlegen mussten, entweder wir machen es richtig oder wir lassen es bleiben, hat uns das Schicksal Roland Tomrle in die Hände gespielt, der schon seit 20 Jahren im Verlagsgeschäft tätig war und sich ebenfalls neu orientieren wollte. Also haben wir 2012 den MONO VERLAG umgegründet, sind sozusagen den Kinderschuhen entwachsen und hierher in die Ziegelofengasse gezogen.

Gibt es im Verlag eine fixe Aufgabenteilung?

Das Verlagsprogramm überlegen wir uns zu dritt, mit welchen Leuten wir es umsetzen wollen, mit wem wir kooperieren möchten. Roland ist für die administrativen Dinge zuständig, als gelernter Verlagskaufmann weiß er am besten, wie die Branche funktioniert. Kai übernimmt die technische Seite, Aufnahmeleitung, Schnitt und Mastering. Mein Part ist es, bei vielen Projekten die Sprecherrolle bzw. die Anmoderationen zu übernehmen. Ich bin quasi der Libero in unserem Team, was auch mit meinen Verpflichtungen am Theater zusammenhängt.

Was unterscheidet den MONO VERLAG von anderen Hörbuchverlagen?

Wir produzieren 30 Hörbücher pro Jahr, wobei der Fokus des Programms stark auf österreichischen Themen, österreichischen Autoren und Sprechern liegt, weil wir uns dadurch vom gesamten deutschsprachigen Markt abheben können. Der ist zwar zehn Mal größer, für uns hat die Konzentration auf Österreich allerdings den großen Vorteil, das wir bei unseren Produktionen mit interessanten Leuten zusammenarbeiten können, die für Österreich Relevanz haben, diese aber in Deutschland nicht hätten. Dabei gibt es natürlich Titel, die uns besonders am Herzen liegen, und solche, die dafür sorgen, dass wir die Miete zahlen können. Bis jetzt funktioniert es (klopft auf Holz).

Seid ihr bei den großen deutschen Buchmessen präsent?

Ja. Im Frühjahr mit 15 Titeln auf der Leipziger Buchmesse, im Herbst, ebenfalls mit 15 Titeln, auf der in Frankfurt. Dass man in Halbjahresschritten plant, weil die Buchbranche in diesem Turnus funktioniert, musste ich auch erst lernen.

Inwiefern wirkt sich die aktuelle Wirtschaftslage auf den Verlag aus? Findet ihr, dass es der kreative Bereich besonders schwer hat?

Ja, auch in der Verlagslandschaft wird es zusehends schwieriger. Bei unserer Gründung damals stand die Businessidee nicht so im Vordergrund, es war ein idealistisches Projekt. Umso hilfreicher war dann die Förderung von departure, weil wir uns viel Beratung holen konnten – und auch holen mussten, um die ganze administrative Seite gut aufbauen zu können. Vor zwei Jahren saßen wir noch auf 36 Quadratmetern.

Mit ein Grund für die Förderung von departure ist sicher die Tatsache, dass es in Österreich keinen einzigen dezidierten Hörbuchverlag gab, in Deutschland im Vergleich dazu über 500. Natürlich machen in Österreich viele Verlage neben ihren anderen Publikationen auch hin und wieder mal ein Hörbuch, als Nebenprodukt. Aber wir waren die ersten, die es explizit diesen Schwerpunkt haben.

Gibt es Produktionen, die nach bestimmten Sprechern verlangen?

Wenn wir zum Beispiel eine Schauspielerbiografie machen, liegt es natürlich nahe, das mit diesem Schauspieler/dieser Schauspielerin zu machen. Nicht so nahe liegend ist die Auswahl bei Klassikern – wie zum Beispiel “Die Welt von gestern” von Stefan Zweig –, da muss die Stimme des Sprechers/der Sprecherin besonders gut zum Thema passen.

Bist du selbst im MONO Verlag auch als Sprecher tätig?

Ja. Das ist das Schöne an der Tatsache, dass ich Mitinhaber eines Hörbuchverlags bin: Ich kann mir die Themen, die ich aufnehmen möchte, selbst aussuchen. Und somit auch irrationale Großprojekte wie “Anna Karenina” von Tolstoi angehen, das wir gerade fertig aufgenommen haben. Wollte man ähnliche Titel –  “Anna Karenina” hat eine Länge von ungefähr 60 Stunden – mit einem externen Sprecher aufnehmen, müsste man ziemlich tief in die Tasche greifen.

Als Deutscher in Wien; Verrate uns doch deine drei Lieblingswörter auf Wienerisch.

Gar nicht so leicht. (Denkt nach.) “Oida.” “Naa.” und  ”Biiitte.”

Wohin gehst du mit Freunden, die dich in Wien besuchen?

Freunden – oder auch Freunden von Freunden – zeige ich am liebsten den Augarten oder den Karmelitermarkt. Man kann natürlich auch ins MuseumsQuartier gehen, ins Schloss Belvedere, nach Schönbrunn oder einfach in den ersten Bezirk, wo auch die großen Theater sitzen.

Apropos Theater in Wien. Du  hast deine Schauspielausbildung in Stuttgart gemacht und deine Karriere in Düsseldorf begonnen. Was hat dich dann ausgerechnet nach Wien verschlagen?

Als ich bereits drei Jahre am Schauspielhaus in Düsseldorf war, gab es dort einen Intendantenwechsel, alle künstlerischen Verträge wurden aufgelöst, und ich hatte mich schon auf einen Umzug nach Berlin vorbereitet. In diesem Moment ergab sich die Möglichkeit, nach Wien ans Volkstheater zu gehen. Und ich habe keine Minute gezögert.

Gibt es österreichische Theaterregisseure, die diese Entscheidung beeinflusst haben?

Eigentlich nicht. Ausschlaggebend war die Kombination aus dem Engagement und Wien.

Weil Wien eine Theaterstadt ist?

Auf jeden Fall. Ich freue mich, hier leben und arbeiten zu können. Auch Freunden und Kollegen, die außer hier noch in Deutschland und in der Schweiz spielen, fällt auf, dass Theater in Wien einen anderen Stellenwert hat, dass es näher an den Menschen dran ist, dass man es hier mehr in sein alltägliches Leben integriert hat.

Woran liegt das?

Mit Burgtheater, Volkstheater und Theater in der Josefstadt gibt es drei große Theater in dieser Stadt, wobei das Burgtheater sicher den größten Streuradius hat und sicher tendenziell jüngere Leute anzieht als die beiden anderen. Natürlich bedienen auch die übrigen Häuser – die kleinen Theater, die Mittelbühnen, die Off-Theater – ihr jeweiliges Publikum. Im Großen und Ganzen werden querbeet sehr viele und unterschiedliche Leute angesprochen.

Du wurdest 2013 für deine Rolle als Lewin in “Anna Karenina” mit dem Nestroypreis für die “Beste Nebenrolle” ausgezeichnet. Hat sich durch diesen Preis etwas für dich verändert?

Preise sind ja gar nicht wichtig (lacht). Nein, natürlich hab ich mich gefreut, schließlich ist der Nestroy der Theaterpreis. Aber ich bin deswegen nicht reicher geworden (lacht). Es ist schön, Anerkennung zu bekommen, weil man sich in diesem Beruf ohnehin selbst ständig mit der Frage konfrontiert, ob das, was man tut, funktioniert, ob es gut ist. Und es macht mich stolz, dass ich das Bild vom Theater in einer Theaterstadt wie Wien mitprägen kann.

Kann man unterschiedliche Rollen, unterschiedliche künstlerische Leistungen überhaupt miteinander vergleichen?

Bei Schauspielpreisen ist es letzten Endes natürlich subjektiv, dem einen gefällt das, dem anderen das. Wenn ich mir etwas ansehe und es gefällt mir, dann darf ich das als gut bezeichnen. Wenn ich etwas sehe und es gefällt mir überhaupt nicht, dann darf ich das als schlecht bezeichnen. Was mir übrigens jedes Mal, wenn der Nestroypreis in Wien vergeben wird, auffällt: dass es so viele, unglaubliche gute Inszenierungen gibt, die nicht einmal nominiert werden.

Du spielst auch in Filmen, TV-Filmen und Serien mit, wo liegt dein Fokus?

Auf dem Theater. Ich würde gerne ein bisschen mehr Film machen. Manche Kollegen kriegen das hin, aber bei mir schließt das eine irgendwie immer das andere aus. In dem Moment, wo ich mich terminlich auf Theater festlege, fallen dadurch Drehmöglichkeiten weg.

Mit welchen österreichischen Regisseuren würdest du gerne zusammenarbeiten?

Da gibt es viele, die ich interessant finde. Nicht umsonst ist der österreichische Film gerade so gut unterwegs. Ulrich Seidl würde mich interessieren, obwohl ich mir seine Fime nicht anschauen kann, weil sie bei mir schlechte Laune auslösen. Und Haneke, obwohl auch seine Filme ein emotionaler Kampf für mich sind. Leider finden die interessantesten österreichischen Produktionen oft in Mundart statt – und da scheide ich leider aus.

Ist das am Theater ähnlich?

Nein, als Deutscher in Wien auf der Bühne zu stehen, ist gar nicht schwer, ich merke diesbezüglich überhaupt keine Ressentiments.

Wodurch unterscheidet sich die Arbeit als Schauspieler von der als Sprecher?

Auf der Bühne kommen außerdem noch die Aspekte der Körperlichkeit, des Bühnenbild und der Inszenierung dazu. Was mir beiden Berufen macht mir der Umgang mit Sprache Spaß. Ich kann mich glücklich schätzen, beide Berufe ausüben zu können.

Thanks!

Herzlichen Dank an Till Firit für das Gespräch und die Einblicke in seine Arbeit. Weiterführende Informationen zu Tills Aktivitäten als Schauspieler gibt es hier und mehr über den Mono Verlag hier.

Dieses Portrait wurde in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsagentur Wien und ihrem Kreativzentrum departure produziert und ist das 18. Portrait dieser Kollaboration. Lerne noch mehr kreative Köpfe aus Wien kennen.

Video: Nikolaus Sauer
Fotografie: Martin Stoebich
Interview & Text: Claudia Hubmann