Freunde von Freunden

Werner Aisslinger
Furniture Designer, Studio, Tiergarten, Berlin
Workplaces > Werner Aisslinger

Sachen machen! Das scheint die simple Maxime zu sein, die sich hinter der viel komplizierteren Arbeitsphilosophie des Berliner Designers Werner Aisslinger verbirgt. Im Laufe seines fast 30-jährigen Schaffens ist es ihm gelungen, einige seiner Möbelentwürfe im MoMA und anderen Museen zu platzieren. Mit dem „Loftcube“, einem transportablen Wohnmodul, das man sich in den Garten oder aufs eigene Dach stellen kann, bewies er seine Ambitionen auf dem Gebiet der Architektur. Das Haus am Waldsee zeigte im Sommer 2013 eine Retrospektive seiner experimentellsten Arbeiten.

Das Studio Aisslinger befindet sich in einem alleinstehenden Gebäudekomplex in der Heidestraße: Eine Handvoll historischer Vorder- und Hinterhäuser mit nackten Brandwänden fügt sich neben hastig errichteten Gewerbeschuppen der Nachkriegszeit zu einem typisch Berlinischen Architekturbild zusammen, das so nicht mehr lange existieren wird. Noch ist von der „Europa City“, die hier in den nächsten Jahren aus dem Boden schießen wird, nicht viel zu sehen.

Einmal angekommen in der weitläufigen Fabriketage, auf der sich das Studio befindet, ist das erst einmal nebensächlich. Viel zu viele Objekte buhlen hier um Aufmerksamkeit. Prototypen für Möbel und andere Gebrauchsgegenstände, Architekturmodelle und zahllose Entwurfspläne zeugen von vollen Auftragsbüchern.
Werner Aisslinger ist in Eile, doch er steht drüber.

Für ein Gespräch über progressives Design, das Hotelprojekt 25hours, Vitra und natürlich Berlin nimmt er sich viel Zeit.

Dieses Portrait ist Teil des Magazins Companion, das FvF für das 25hours Hotelprojekt entwickelt hat.

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Werner, Du stammst ursprünglich aus Bayern. Hat dich das Design nach Berlin gebracht?
Ich bin noch vor der Maueröffnung nach Berlin gekommen. Ich wollte sowieso nach Berlin. Ich hatte mich für freie Kunst an der HDK beworben – damals hieß das HDK, heute UDK. Das hat nicht geklappt. Auf den Tipp meiner damaligen Freundin hin, habe ich mich dann für Design beworben. Wieder an der HDK. Das hat auf Anhieb geklappt. Nach einem Jahr bin ich nach London gezogen um dort bei zwei damals noch ‚upcoming’ Designern, Ron Arad und Jasper Morrisson, zu arbeiten. Dann war ich kurz vor dem Diplom nochmal in Mailand, ein Jahr, bei Micchele de Lucchi – einer der Memphis-Altmeister. Memphis ist eine Gruppe aus den 80er Jahren, die das Design revolutioniert hat. Micchele de Lucchi war der Startschuss. Nachdem ich mein Diplom gemacht habe, ging’s dann in Berlin los. Damals war Berlin aber nicht so sehr Design-Stadt. Musik war wichtig, Clubkultur natürlich immer.

Wie hat sich das verändert? Hat es Dir als Designer in Berlin damals besser gefallen als heute?

Um ehrlich zu sein nicht. Darum habe ich auch die ersten sieben Jahre meiner Aktivitäten fast nur in Italien gearbeitet – für italienische Labels, die auch heute noch den Ton angeben im Design. Berlin war damals so wenig relevant, dass die Italiener oft gar nicht wussten woher ich komme. Die dachten auch nach drei Jahren nur: Werner – Deutschland. Dass ich aus Berlin kam war denen völlig Wurscht.

Gerade scheint wieder alles gen Westen zu weisen. Am Breitscheidplatz hast Du den Innenraum des Hotels 25hours im BIKINI Haus entworfen. Dabei fällt der rohe, improvisierte Charakter auf, in den Du collagenhaft Objekte einstellst. Könnte man das als eine Institutionalisierung des experimentellen Berliner 90er Jahre-Looks begreifen?

Ich hoffe nicht, dass ich mich in meinen Aktivitäten immer auf eine Sozialisierungsphase beziehe, die in den 90er Jahren stattgefunden hat. Wenn es denn so wäre, würde ich eigentlich eher aus dem Fenster springen. Ich hoffe, dass man ständig dazu lernt und sich weiterentwickelt. Natürlich hat man prägende Phasen in seinem Leben. Aber ich glaube nicht, dass die 90er Jahre in Berlin so wichtig waren.
Dass wir bei dem 25hours Projekt natürlich versucht haben, das Berliner Lebensgefühl einzufangen ist faktisch so, weil jemand, der aus Tokio oder L.A. kommt, an Berlin natürlich immer das Unfertige, Improvisierte, dieses Collagenhafte und Ambulante sucht. Viel wichtiger ist aber glaube ich, dass das Hotel eigentlich eine kleine Revolution ist in der Branche. Denn da passiert viel, was nicht mit Übernachten zu tun hat.

Und was ist das?

Zum Einen beruht das Konzept auf einer Story, die wir „Urban Jungle“ genannt haben. Da gibt es ganz verschiedene Bezüge. Der legendäre Dschungel-Club zum Beispiel, der von den 70ern bis in die frühen 90er Jahre einer der coolsten Clubs in Westberlin war und sich um die Ecke, in der Nürnberger Straße befand.
Natürlich geht es auch um den „Großstadtdschungel“. Wenn man auf der Vorderseite des Hotels aus dem Fenster guckt, erblickt man das Zentrum Westberlins. Auf der Rückseite ist dagegen der „Real jungle“, also der Zoo. Zusätzlich haben wir versucht, die Stadt ins Haus herein zu holen. Hotels sind oft gestrandete Ufos im Stadtkontext in denen die Hotelgäste herumgammeln und die Traveller sich gegenseitig die Hände schütteln, von der Stadt aber eigentlich nichts mitbekommen. Das kann man ändern, indem man raus geht oder eben die Stadt herein holt.

Zum Beispiel mit Hilfe einer verglasten Saunawand?

(lacht) Ja, aber ich meine was anderes. Wir arbeiten zum Beispiel mit einer jungen Gruppe von Microfarmern zusammen, die ich über die Prinzessinnengärten am Moritzplatz kennengelernt habe. Im obersten Geschoss werden Pflanzen angebaut, die in der Küche verarbeitet werden. Daneben holen wir Modedesigner, Künstler und eine Bäckerei mit ins Boot. Mit dem Gestalten Verlag machen wir einen Kiosk. So schaffen wir zahlreiche Bezugspunkte zu Berlin und Berlinkreativen. Die Idee ist, Organismen in das Hotel zu holen, die die Gäste vielleicht zum Staunen bringen, die aber auch einen ganz praktischen Nutzen erfüllen, wie eben das Farming. Hier passiert sicherlich sehr viel mehr als nur Einchecken, Schlafen, Frühstücken.

Das ist also der Berlinkontext. Bezieht ihr Euch auch auf die direkte Umgebung, also Charlottenburg und die City West?

Die Vernetzung mit Charlottenburg passiert eigentlich über die Architektur. Das Gebäude ist ein Baudenkmal und prägt die Umgebung seit seiner Erbauung in den 50er Jahren. Das Hotel ist in einem kleinen Hochhaus, das rundherum Freiraum hat. Von dem neuen zehnten Geschoss kann man in alle Himmelsrichtungen blicken.
Dann ist ja dieses ganze Projekt in die BIKINI Sanierung eingebunden, die ein Glücksfall für Charlottenburg ist. Der Breitscheidplatz selbst ist eine Art H&M-Meile und das wird vielleicht auch so bleiben. Das macht aber auch nichts, denn BIKINI wird einfach ein schöner Organismus werden, für Westberlin und für Charlottenburg allemal.

In direkter Nachbarschaft stand bis vor Kurzem noch das Schimmelpfeng-Haus, das – wie das Bikini Haus – ein denkmalgeschütztes Bauwerk der 50er Jahre war. Es wurde abgerissen, um Platz zu schaffen für neue Hochhausprojekte. Was hältst Du davon?

Das neue Hochhaus, wo das Waldorf Astoria drin ist, das ist nicht so meine Welt. Passt vielleicht auch besser nach Frankfurt.
Ich glaube, dass es unter Investoren Liebhaber gibt. Damit Architekturen länger überleben, muss man eben einen architekturaffinen Investor finden, der das Ding erhält und daran glaubt, dass man etwas daraus machen kann. Beim Bikini scheint das ja zu funktionieren. Ob sich das rechnet weiß keiner. Aber ich finde das ist alles gelungen.

Kannst Du vielleicht an einem Objekt hier im Studio erläutern, was gutes Design ist?

Ja klar. Für Vitra habe ich zum Beispiel dieses Büromöbel, das Level 34, designt. Das Konzept ist ein Benchsystem, welches sich beliebig erweitern lässt. Der Grund, das Level 34 überhaupt zu machen, war die Idee, eine Art „domestic office system“ zu kreieren – eine professionelle Arbeitsstation, die sehr wohnlich daherkommt und nicht diese technoide Härte ausstrahlt, die Büromöbel mit ihren Verstellmechanismen und Schrauben gerne so an sich haben. Der Ausgangspunkt ist ein Sideboard, auf das einfach Platten aufgelegt oder dem Module angefügt werden, sodass alles sehr offen wirkt. Die Bürolandschaft, die im Idealfall daraus entstehen soll, ist eine offene, kommunikative Arbeitswelt, die unter anderem dazu führt, dass es weniger Mobbing gibt. Je höher Wände und je geschlossener Büroräume sind, umso eher wird tatsächlich gemobbt. Je transparenter und themaorientierter Büros hingegen konzipiert sind, desto weniger negative soziale Interaktionen treten auf. Das Ergebnis ist ein Möbel, das durch den Raum mäandert.

Am Ende würde ich gerne noch wissen, was in der nächsten Zeit mit dem Studio Aisslinger passieren wird. Was sind die Entwicklungen? Wo willst Du es hinbringen?

Zum einen Überlege ich, einen eigenen Webshop zu aufzubauen – was jetzt nicht ungewöhnlich ist, das machen viele Designer. Dann will ich versuchen, dezentraler zu arbeiten, also häufiger Aufträge vergeben an vertrauensvolle Kooperationspartner.

Willst Du auf jeden Fall in Berlin bleiben?

Ich bin schon so lange hier. Es würde jetzt keinen Sinn ergeben weg zu gehen. Und es wird ja eigentlich immer besser, oder? Ich bin jetzt 26 Jahre hier und finde, dass es sich eigentlich gerade ganz gut entwickelt für alle die etwas mit Kreation am Hut haben.

Ach das ist toll, dann bist Du einer von denen, die sich über die Gegenwart und die Zukunft freuen anstatt melancholisch der Vergangenheit nachzutrauern.

Ich glaube Berlin war immer ziemlich verschlafen. Es war doch immer die Stadt der Hänger und der Freaks. Und das ist ja auch heute noch so. In Berlin denken alle nach, was sie übermorgen gerne machen würden. Der Kostendruck ist nicht so hoch, die Wohnungen sind billig und man lebt halt so dahin und schmiedet Pläne, was ja auch irgendwie ok ist. Aber ich glaube Berlin wird gerade ein bisschen schneller, ein bisschen professioneller, was ich, als jemand, der schon ewig hier lebt, wirklich gut finde. Berlin wird nie Design Hub werden, aber die Stadt ist eine Art Subkultur Hub. Berlin wird ein Labor bleiben.

Jedem, der sich weiter über die Arbeit und die Geschichte sowie Neuigkeiten des Studio Aisslingers informieren will, sei ein Besuch seiner Website empfohlen.

Fotografie: Dan Zoubek
Interview & Text: Stephan Redeker

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